GAL warnt: Weltkulturerbe nicht aufs Spiel setzen

Die Fraktion grün+alternativ+links (GAL) stellt in der kommenden Bürgerschaftssitzung den Antrag, die Maße der geplanten Bebauung an der Fackenburger Allee/Stadtgraben zu reduzieren. Das Gelände am Stadtgraben gehört einem privaten Investor.

Im Jahr 2014 gab es bereits einen Bebauungsplan mit einer Höhenbegrenzung zwischen 13,8 Meter bis maximal 22 Meter über Normalhöhennull (NHN). Dies reichte dem Investor jedoch nicht, so dass der Bauausschuss in seiner Sitzung am 20. März 2017 mehrheitlich grünes Licht dafür gab, den Baukörper auf bis zu 29,40 Meter NHN zu erhöhen. Lediglich ein Fassadenwettbewerb wurde noch verlangt.

Im Bauausschuss stimmte das GAL Mitglied Carl Howe gegen diese erneute Änderung im B-Plan. "In derart exponierter Lage, direkt gegenüber der Altstadt kann es nicht sein, dass ein Investor bestimmt, wo es lang geht. Den geplanten Baukörper empfinden wir als viel zu massiv. Entsprechende Rückmeldungen aus der Bevölkerung bestätigen uns darin. Auch befürchten wir den möglichen Verlust des Welterbestatus, wenn wir eine derartige Fehlplanung in der jetzt vorgesehenen Höhe durchgehen lassen", so Carl Howe.

Aus diesem Grund wandte sich die Fraktion an den ICOMOS Monitoring-Welterbebeauftragten Dr. Reiner Zittlau und fragte nach, wie dieser den Beschluss im Bauausschuss bewerte. Die Antwort fiel eindeutig aus: Dr. Zittlau rät dazu, auf eine Reduzierung des Bauvolumens hinzuwirken. Zwar sieht er die Sichtachsen von Nordwesten aus auf die südliche Altstadt und den Dom hin nicht gefährdet. Doch kritisiert er die Wucht des (geplanten) Neubaukörpers, der "zum optischen Konkurrenten der Großbauten innerhalb der Altstadt" werde. Er könne gut verstehen, wenn sich Widerstand gegen das Projekt entwickeln würde. "Die Pufferzone ist von der UNESCO gerade dafür vorgesehen worden, das Welterbe nicht durch überdimensionierte Neubaukörper von außen optisch erdrücken zu lassen", so der Welterbebeauftragte.

Die GAL rechnet damit, dass die Entscheidung über die erlaubte Bauhöhe nochmals im Bauausschuss diskutiert wird. "Hier muss die Bewertung hinsichtlich Welterbe Altstadt unbedingt Berücksichtigung finden", fordert die GAL, "und die Höhen gehören mindestens auf das alte Maß reduziert. Eine schöne Fassade allein nützt nichts, wenn das Gebäude insgesamt erdrückend wirkt."

Carl Howe ist baupolitischer Sprecher der GAL-Fraktion.

Carl Howe ist baupolitischer Sprecher der GAL-Fraktion.

Autor: GAL

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Kommentare zu diesem Text:

Walter Koch schrieb am 19.06.2017 um 13.42 Uhr:
Herr Howe hat Angst vor einer weiteren Kathedrale. Kann man verstehen. Das Sell-Shop Haus war auch viel zu mächtig. Auch wenn aus Kaisers Zeiten.

Nun ja, es gibt ja noch weitere Bauplätze direkt am Wasser. Wohnen am Wasser war doch die Devise. Und Bebauung innerhalb der Stadt. Schließen von Baulücken bevor neue Flächen außerhalb ausgewiesen werden.

Wasserkunst, Geniner Ufer, Schlutup, Dänischburg, Roddenkoppel, Wallhalbinsel, Falkenstraße. Alles nicht am Stadtgraben.

Nun dann, frisch an's Werk. Lücken gibt es noch reichlich.

Jörn Simonsen schrieb am 19.06.2017 um 13.43 Uhr:
Bauausschuss wird ja noch beteiligt, siehe Beschluss (der letzte Satz ist wichtig).
Also: wenn städtebaulich nicht verträglich, dann wird das nichts mit der Erhöhung. Und umgekehrt.

"Mit der Aufstellung des Bebauungsplanes sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, die Höhenbegrenzung von 18m bzw. 22 m ü.NHN bis auf maximal 29,40m ü.NHN anzuheben, sofern die stadträumliche Verträglichkeit im Wettbewerb nachgewiesen wird."

Paul Werner schrieb am 19.06.2017 um 20.23 Uhr:
Die Höhenangaben ohne Bezug zum lokalen Umfeld sind schwer zu interpretieren. Die Fahrbahn der Kreuzung Fackenburger Allee / Schwartauer Allee liegt schon bei ca. 10,90 m über Normalhöhennull. Die Nachbargebäude sind dann jetzt tendenziell vergleicbar hoch. Alles ist besser als der jetzige Zustand!





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