Lübeck Erleben

Der Bau des Belttunnels wird in Travemünde überwacht

Text vom 15.04.2018: Travemünde wirbt mit einer Attraktion, die andere Bäder an der Ostsee der Lübecker Bucht so nicht haben. Direkt an der Travemündung befindet sich eine hochmoderne Verkehrszentrale, die den Schiffsverkehr zwischen Wismar und Kiel leitet. Sie bekommt mit dem Bau des Fehmarnbelttunnels weitere Aufgaben.



Wenn die großen Pötte majestätisch auf der Trave vorbeigleiten und die Gäste einen leckeren Kapucino in einem der Cafés in der Vorderreihe genießen, dann ist das für die Menschen ein schönes und aufregendes Erlebnis. Auch manch einer der Einheimischen bleibt gerne mal stehen. "Schiffe gucken" ist das Zauberwort. Die vielen kleinen Sportboote, die großen Traditionssegler oder auch die Kreuzfahrtschiffe bieten eine ungeahnte Vielfalt, maritimes zu erleben.

Aber wer weiß, dass hinter diesem täglich wechselnden Schauspiel eine Behörde steht, die im Hintergrund dafür sorgt, dass dieser Schiffsverkehr auch reibungslos und ohne Unfall von statten geht: die Verkehrszentrale "Trave Traffic" des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Lübeck. Ziemlich genau heute vor fünf Jahren zogen die Nautiker, wie sich die Koordinatoren des gesamten Schiffsverkehrs zwischen der Flensburger Förde bis hin zum Leuchtturm Buk in Mecklenburg-Vorpommern, nennen, in ihr neues Gebäude ein. Das war nicht nur eben mal ein Umzug aus der Enge des "Lotsenturmes", wie er fälschlicher Weise genannt wird (die Lotsen befinden sich neben an) in ein neues Gebäude gleich daneben.



Jahre der Planung insbesondere auch die organisatorische und technische Weiterentwicklung der Navigationsverfahren, des AIS (Automatic Identification System) sowie des Funkwesens mit all den Anpassungen an die Entwicklung der Geräte waren zu berücksichtigen.

Und nicht nur dies: der Bau des Fehmarnbelt-Tunnels, mag er für den Normalbürger auch noch in weiter Ferne liegen, warf schon damals seine Schatten voraus. Es galt sich auf eine Kooperation und auf ein gemeinsames Management der maritimen Verkehrssicherung im Fehmarnbelt während der Bauzeit mit Dänischen Nautikern vorzubereiten. Vorgesehen ist eine paritätische Besetzung mit je zwei Nautikern je Wachschicht.

Die dänischen Operatoren werden gemeinsam mit deutschen Kollegen im Vessel Traffic Service Fehmarnbelt sitzen, das hier in Travemünde in den Räumlichkeiten der Verkehrszentrale, dem Vessel Traffic Service Travemünde eingerichtet wird. Vorausschauend startet jetzt die Entwicklung eines Ausbildungskonzeptes um die teils unterschiedlichen Verfahren der Dänen und Deutschen auf einen Nenner zu bringen. Die Aufgaben sind umfassend: zwei Verkehrssicherungsfahrzeuge sind vorgesehen, die Baustellenfahrzeuge müssen durch ein "coordination Center" koordiniert werden, es sind die wechselnden Baubereiche zu markieren und es sind Schleppkapazitäten vorzuhalten. Vieles andere mehr ist notwendig, damit der Bau des Tunnels und die Schifffahrt gleichzeitig nebeneinander bestehen können.

Henning Dierken, Amtsleiter des Wasserstraßen und Schifffahrtsamtes Lübeck spricht denn von einer Erfolgsgeschichte dessen, was in den letzten fünf Jahren bewältigt werden musste und auch geleistet wurde. Der Leiter der Verkehrszentrale, Gerhard Müller-Hagen weiß um den Zuwachs des Sicherheitsgewinnes von "Trave Traffic" in dieser Zeit. Der Schiffsverkehr hat zwar insgesamt nicht zugenommen, doch die Schiffe werden größer und schon darin liegt ein höheres Maß an Verantwortung und know how, diesen neuen Herausforderungen zu entsprechen. Wenn während der Travemünder Woche die täglichen Trave Races stattfinden und scheinbar wie selbstverständlich in den Lücken zwischen dem Passieren der großen Fähren Regattasport vom Feinsten präsentiert werden kann, oder wenn die Taufe eines der großen Kreuzfahrtschiffe, das "Mein Schiff 5" eine große Schau an einer eher etwas schmalen Stelle der Trave stattfinden kann, dann war die Verkehrszentrale Travemünde daran maßgeblich beteiligt.

Henning Dierken und Gerhard Müller-Hagen auf die scherzhafte Frage an die Kollegen, die am fünften Geburtstag Wache hatten, ob man denn für die nächsten fünf Jahre "immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel" wünschen solle, meinten die Nautiker "...ja schon, aber viel wichtiger ist immer eine Handbreit Abstand zwischen allen Schiffen."

Weitere Infos: www.wsa-luebeck.wsv.de

Von der Verkehrszentrale aus wird auch der Bau des Tunnels nach Dänemark überwacht. Fotos: Karl Erhard Vögele

Von der Verkehrszentrale aus wird auch der Bau des Tunnels nach Dänemark überwacht. Fotos: Karl Erhard Vögele

Autor: KEV

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