Polizei: Mit Wissenschaft gegen Gewalt

Rund 300 Polizeibeamte werden in Lübeck pro Jahr angepöbelt, angespuckt, angegriffen oder sogar verletzt. Die Zahl ist viel höher als in vergleichbaren Städten. Seit Anfang des Jahres wird dieses Phänomen wissenschaftlich untersucht. Die Bodycams, die von Beamten des 2. Polizeirevieres seit Juni eingesetzt werden, sind dabei nur ein geringer Teil.


Tim Brockmann, Fraktionsvize der CDU im Landtag, informierte sich bei Lübecks Leitendem Polizeidirektor Norbert Trabs über die wissenschaftliche Studie, die seit Anfang des Jahres läuft. Foto: VG

Am Dienstag waren Mitglieder der CDU-Landtagsfraktion unter Leitung des Fraktionsvize und polizeipolitischen Sprechers Tim Brockmann zu Besuch bei Lübecks Polizeichef Norbert Trabs. Sie informierten sich über das Verfahren der wissenschaftlichen Untersuchung, die von zwei Psychologen durchgeführt wird.

Trabs berichtete zuerst die nüchternen Zahlen. In Lübeck gab es im vergangenen Jahr 301 Übergriffe auf Polizeibeamte mit 103 Verletzten. In Kiel waren es 145 Übergriffe. Seit zehn Jahren liegt dieser Wert in der Hansestadt deutlich über vergleichbaren Städten. Die Ursache ist unbekannt. Für den Leitenden Polizeidirektor ist die Situation nicht hinnehmbar. Es wurden mehrere Maßnahmen ausprobiert. Eine positive Wirkung gibt es nicht.

Die Psychologen sind zuerst der Frage nachgegangen, ob Lübecker Polizisten besonders sensibel sind und deshalb mehr Widerstände anzeigen. Das Ergebnis: In der Beurteilung der Einsätze gibt es keine Unterschiede.

Aktuell läuft Phase 2 der Untersuchung. Die Beamten werden gebeten, einen achtseitigen Fragebogen über ihre Einsätze auszufüllen. "Die Resonanz ist überraschend groß", berichtet Trabs. Der gleichzeitig laufende Versuch mit den Bodycams verläuft ausgesprochen erfolgreich.

Die Ergebnisse der Studie sollen im Sommer 2019 umgesetzt werden. Maßnahmen wie neue Ausrüstung oder Einsatztaktiken werden vermutlich Geld kosten. CDU-Fraktionsvize Tim Brockmann geht aber davon aus, dass die entsprechenden Mittel bereit gestellt werden. Für den Dienstherren seien Frühpensionierungen und Ausfälle durch verletzte Beamte deutlich teurer.

Der Versuch mit den Bodycams läuft nach Angaben der Polizei sehr erfolgreich. Foto: PD Lübeck/Archiv

Der Versuch mit den Bodycams läuft nach Angaben der Polizei sehr erfolgreich. Foto: PD Lübeck/Archiv

Autor: VG

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