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Vorwerker Diakonie diskutierte über Teilhabegesetz

Mit dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) wird aktuell bundesweit eine der größten sozialpolitischen Reformen der letzten Jahrzehnte umgesetzt. Damit wird der gesetzliche Rahmen der Hilfen für Menschen mit Behinderungen komplett auf neue Beine gestellt. Das war das Thema des Jahresempfanges der Vorwerker Diakonie am Dienstag.

"Davon sind allein über zwei Millionen Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung betroffen. Hinzu kommt die Gruppe der Schwerbehinderten, die vielfach größer ist", sagt Fred Mente, Geschäftsführer der Vorwerker Diakonie. "Doch in der öffentlichen Wahrnehmung kommt diese Veränderung kaum vor." Nicht zuletzt deswegen hat die Vorwerker Diakonie das BTHG als Thema ihres Jahresempfanges gesetzt und damit in Schwarze getroffen. Weit über 200 Menschen kamen am Dienstag, 9. April 2019, in den Festsaal der Vorwerker Diakonie in der Lübecker Triftstraße.

In einem Impulsvortrag führte Fred Mente die Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Stadtverwaltung und Behindertenhilfe an das Thema heran. "Das BTHG, das in mehreren Stufen eingeführt wird, soll die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen verbessern und ihnen mehr Teilhabe und Selbstbestimmung ermöglichen", so der Geschäftsführer, "das ist ein großer Fortschritt und ein Paradigmenwechsel." Zurzeit bestehe aber an vielen Stellen noch Unklarheit, wie es mit dem Gesetz weitergehen solle. "Betroffene und deren Angehörige machen sich vor diesem Hintergrund Sorgen", weiß Mente. Entscheidend sei deshalb ein guter Fahrplan. "Wir stehen den Betroffenen und Angehörigen zur Seite – dafür brauchen wir aber von Land und Stadt die richtigen Rahmenbedingungen." Außerdem bestehe bei den sozialen Trägern die große Sorge, ob es in Zukunft ausreichend Fachkräfte geben wird, um dem Bedarf an Pflege- und Assistenzleistungen für Menschen mit Behinderungen gerecht zu werden.

Im einer moderierten Diskussionsrunde tauschte sich Fred Mente anschließend mit Werner Kalinka, Vorsitzender des Sozialauschusses Schleswig-Holstein, Claudia Schwartz, Leiterin des Bereichs "Soziale Sicherung" der Hansestadt Lübeck, sowie Ursula Hegger vom Büro des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen zum BTHG aus. "Wir müssen uns neu aufstellen, um Menschen mit Behinderungen in ihren neuen Wahlmöglichkeiten umfassend zu beraten und zu begleiten", so Claudia Schwartz. "Dabei haben wir aktuell mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen." Ursula Hegger wies darauf hin, dass das BTHG womöglich nicht alle Personengruppen mit Behinderungen "im Blick habe". Werner Kalinka betonte indes, dass es rechtzeitig einen verbindlichen Landesrahmenvertrag als Unterstützung geben werde.

Einen weiteren Beitrag zum Thema lieferte der Kurzfilm "Die Leichtigkeit der Dinge" – gedreht von der Kulturakademie der Vorwerker Diakonie - in dem sich Menschen mit Behinderungen sowie Leitungskräfte aus der Behindertenhilfe zu den neuen Chancen äußerten. Der inklusive Chor der Kulturakademie setzte dann auch den musikalischen Schlusspunkt der Veranstaltung mit dem daran angepassten Songtitel "We are beautiful no matter what they say" von Christina Aguilera.

"Der Jahresempfang hat noch einmal gezeigt, wie komplex das Thema BTHG ist", fasste Fred Mente zusammen. "Uns als Vorwerker Diakonie ist dabei am Wichtigsten, dass die Menschen mit Behinderungen mit den Veränderungen nicht alleine gelassen werden und für sie keine Nachteile entstehen. Deshalb stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite."

Fred Mente, Werner Kalinka, Claudia Schwartz, Ursula Hegger sowie Moderator Lutz Regenberg diskutierten die Auswirkungen des Gesetzes. Foto: Kristin Wendt

Fred Mente, Werner Kalinka, Claudia Schwartz, Ursula Hegger sowie Moderator Lutz Regenberg diskutierten die Auswirkungen des Gesetzes. Foto: Kristin Wendt

Autor: Kristin Wendt

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