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Lübeck:

Die Bucht bechert um: Mehrwegbechersystem setzt sich durch

Ende Mai fanden in Scharbeutz und Anfang Juni in Neustadt in Holstein die ersten Infoveranstaltungen zum Thema "Mehrwegbechersysteme" der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht und des Neustädter Stadtmarketings statt. Beim einem wurden die Ergebnisse der Treffen und das weitere Vorgehen vorgestellt. Anlass für die Idee sind nicht nur die 320.000 Einwegbecher, die in Deutschland in nur einer Stunde für den mobilen Kaffeegenuss über die Ladentheke gehen.

Auch das Verbrauchverhalten ist im Umschwung und viele Kaffeeliebhaber würden zwar gerne ihren Kaffee mitnehmen, aber ebenso gerne einen Pfandbecher für ihren Kaffeegenuss nutzen.
Einige Kaffeeanbieter haben auf diese veränderte Nachfrage reagiert, indem sie eigene Coffee-to-Go-Mehrwegbecher produziert haben und zum Kauf anbieten. Diese Becher bringen viele Kunden bei ihrem nächsten Besuch mit. Aber nicht jeder Kunde und nicht jede Kundin hat immer seinen eigenen Becher dabei und so wird bei der nächsten Reise mit dem Zug oder mit dem Auto dann doch wieder ein Kaffee im Einwegbecher gekauft.

In einigen Städten setzt man bereits auf gut funktionierende Mehrwegbecher-Pfandsysteme, die den Vorteil haben, dass diese flexibel zu handhaben sind. Man kauft seinen Kaffee in einem Pfandbecher an einem Ort X, zahlt dafür einen geringen Pfandbetrag und kann den Becher dann an einem Ort Y wieder zurückgeben und bekommt das Pfandgeld wieder zurück. Auch in der Hansestadt Lübeck ist das seit November 2018 möglich und Kaffeeliebhaber erhalten ihren Kaffee bei über 30 Kaffeeanbietern im Pfandbecher des Münchner Startups recup.

Hier initiierte die Hansestadt Lübeck im Jahr 2017 einen Runden Tisch zum Thema "Wir für Mehrweg", der sich mehrfach zum Thema "Mehrwegbecher" getroffen hat. Dort wurden die verschiedensten Varianten von Pfandbechern vorgestellt, getestet und anhand verschiedener Kriterien überprüft. Die teilnehmenden Lübecker Kaffeeanbieter haben sich im Jahr 2018 einheitlich für das System recup entschieden, denn in Lübeck gibt es viele Pendler, die mit dem Zug unterwegs sind.

Andreas Fey, Verantwortlicher für den Runden Tisch bei der Hansestadt Lübeck, informierte beim Runden Tisch in Neustadt in Holstein von den gemachten Erfahrungen und gab hilfreiche Tipps zur Umsetzung. Auch in Neustadt in Holstein reagierte die Politik im März 2019 auf dieses dringende Thema und der Tourismus-Ausschuss beauftragte das Stadtmarketing, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Parallel wurde in Scharbeutz die Tourismus-Agentur Lübecker Bucht von der Veranstaltungsinitiative Scharbeutz (VIS) angesprochen, gemeinsam eine Lösung für das Einwegbecher-Problem zu finden. An beiden Orten fanden dann mehrere Informationsveranstaltungen statt, zu denen Experten, recup-Geschäftsführer Florian Pachaly eingeladen und eigene Recherchen präsentiert wurden. Besonders hilfreich waren die fundierten Informationen von Andreas Fey (Hansestadt Lübeck), der bei dem Treffen im Juni berichtete, wie die Umsetzung in Lübeck erfolgt ist.

Lübeck war seitens der Neustädter Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auch Vorbild für ein mögliches Vorgehen und so freuten sich die Organisatoren der Infoveranstaltungen sehr über diese wertvolle Unterstützung aus Lübeck. Bei dem Treffen im Juni nahmen neben den Kaffeeanbietern auch Silke Szymoniak, Anja Stamp und Stephanie Scheel von der Timmendorfer Strand Niendorf Tourismus GmbH teil, da auch dort großes Interesse an dem Thema besteht und bereits einige Kaffeeanbieter überzeugt werden konnten, mit "umzubechern". Und so haben sich in kürzester Zeit dreizehn Kaffeeanbieter (an 16 Standorten) in der "Bucht" dazu entschlossen "umzubechern" und sich – wie die Lübecker Kaffeeanbieter auch- für das System recup entschieden.

Im Prinzip funktioniert das recup-System wie eine Pfandflasche, man kauft sein Heißgetränk in einem Pfandbecher (Pfand kostet 1 Euro) und kann den Becher nach dem Kaffeegenuss wieder abgeben und bekommt den Pfandbetrag zurück. Eine kostenlose App zeigt die Standorte derjenigen Kaffeeanbieter auf, die ebenfalls mit dem recup-Pfandbecher arbeiten. Darüber hinaus erkennt man den Becher auch, wenn man diesen vor sich hat, da es diesen in drei Größen und drei Farben gibt und er entsprechend gebrandet ist. Der Becher besteht aus 100 Prozent recycelbaren Polypropylen, ist lebensmittelecht und BPT- und schadstofffrei. Einen Deckel muss sich der Kaffeekunde allerdings einmalig kaufen und dann behalten und bei Bedarf mitbringen, da der Deckel nicht Teil des Pfandsystems ist (Kosten 1,30 Euro).

Die Initiatoren hoffen, dass der Zug, der sich nun in Bewegung gesetzt hat weiter in Bewegung bleibt und weitere Kaffeeanbieter mitmachen, denn das System kann nur dann erfolgreich sein, wenn der Pfandbecher an möglichst vielen Stellen erhältlich ist und wieder abgegeben werden kann.

Das Recup–Mehrwegbechersystem soll das Einwegbecher-Problem lösen. Foto: TSNT GmbH

Das Recup–Mehrwegbechersystem soll das Einwegbecher-Problem lösen. Foto: TSNT GmbH

Autor: TSNT GmbH

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