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Lübeck:

Kantaten-Spezialist Ton Koopman wurde im Dom gefeiert

Ton Koopman, geboren in der niederländischen Hansestadt Zwolle, gilt als bester Kenner des Bach'schen Kantatenwerks weltweit. Acht Mal trat er beim diesjährigen Schleswig-Holstein Musik Festival in unterschiedlichen Funktionen auf, verriet Intendant Dr. Christian Kuhnt im Lübecker Dom. Freitagabend, bei Koopmans letztem Konzert im Rahmen des SHMF in diesem Sommer, wurden er und seine Mitstreiter vom Publikum stürmisch gefeiert.

Drei Kantaten von Johann Sebastian Bach standen auf dem Programm. Koopman hatte Beispiele unterschiedlicher Gattungen gewählt. Die Kantate Bachwerke-Verzeichnis (BWV) Nr. 110 ist eine Vertonung von Bibelwort und Arie im Wechsel, die Nr. 127 eine sogenannte Choralkantate. Nach längerer Umbaupause wurde dann ein "Dramma per musica" (BWV 201) aufgeführt, ein Werk mit kulturpolitischem Hintergrund.

In allen Kantaten konnte Koopman sich auf exzellente Musiker verlassen. Natürlich sitzen oder stehen mit dem "Amsterdam Baroque Orchestra and Choir" ausgewiesene Spezialisten für Alte Musik auf dem Podium. Auch die Gesangssolisten waren erste Klasse. Die Kantate BWV 110 "Unser Mund sei voll Lachens", die am Beginn stand, ist eine selten an ihrem Festtag, dem 25. Dezember, benutzte Weihnachtsmusik. Feierlichkeit verbreitete schon der Klang der ventillosen Barocktrompeten.

Der Choralkantate Nr. 127 "Herr Jesu Christ, wahr' Mensch und Gott" legte Bach ein Kirchenlied mit acht Strophen zugrunde. Der erste und der letzte Vers wurden wörtlich für den Chor übernommen. Aus Zeilen der mittleren sechs Strophen formte Bach Rezitative und Arien. Die großartigen Gesangssolisten wurden nach der Pause um etliche Kollegen verstärkt.

Den Hintergrund zur weltlichen Kantate BWV 201 "Geschwinde, ihr wirbelnden Winde" bilden Anfeindungen, denen Bach sich ausgesetzt sah. Kritiker schalten seine Kirchenmusik als zu pompös. Der Rektor einer Schule wollte sogar beweisen, dass intensiver Umgang mit Musik den Kindern schade. Man forderte einfachere Musik, was Bach als Aufruf zu Primitivität empfand. Die Antwort war sein etwa 50 Minuten langes Drama für Musik als Wettstreit zwischen Phoebus – gemeint ist Gott Apoll – und Pan, Verkörperung der Feinde. Natürlich siegt Apollo über den Waldschrat. Das Werk wurde vermutlich 1729 unter freiem Himmel uraufgeführt.

Dieses Großwerk dirigierte Koopman in seinem typischen, forschen Tempo. Immer wieder feuerte er Orchester und Chor an. Große Leistungen erbrachten die Solisten. Elisabeth Breuer sprang für die erkrankte Kollegin ein. Ihr strahlender Sopran schmeichelte ohne jede Schärfe. Die Altpartie war mit dem Countertenor Maarten Engeltjes besetzt. Diese Spezialisten haben oft nur ein kleines Volumen. Nicht so Engeltjes. Er konnte stimmstark im Dom mithalten.

Bei den Tenören gefiel Tilman Lichdi mit biegsamer, geschmeidiger Stimmführung, William Knight glänzte höhensicher. Bei den Bässen, insbesondere als Phoebus-Apollo, konnte Klaus Mertens seine Erfahrung einbringen, Kollege Andreas Wolf jugendliches Ungestüm. Rauschender Beifall erklang nach jedem der drei Werke.

Ton Koopman und seine Musiker boten Bach-Kantaten. Foto: SHMF / foppeschut

Ton Koopman und seine Musiker boten Bach-Kantaten. Foto: SHMF / foppeschut

Autor: TD

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