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Lübeck:

Uraufführung im Combinale: Von Schafen, Wölfen und Engeln

Sie wurde gedreht und gewendet, neu übersetzt und in Musik verpackt, die Weihnachtsgeschichte des Lukas. Selbst wer nichts von der christlichen Weihnachtsbotschaft hält, kennt den Text, der immer wieder gelesen oder zitiert wird. In einer sehr originellen Fassung hat sie nun Einzug ins Theater Combinale gehalten. Am gestrigen Freitag erlebte das Stück "Die Herde" von Ulli Haussmann seine Uraufführung; ein voller Erfolg!

Haussmann hat sich für sein Stück natürlich einen neuen Ansatz ausgedacht. Er erzählt und reflektiert den Bericht von der Geburt Jesu aus der Sicht der Tiere auf dem Hirtenfeld bei Bethlehem. Das geschieht insbesondere aus der Sicht der Schafe, die dort mit ihren Hirten in der Winterkälte ausharren.

Allerdings sind die Hirten nicht da, der größte Teil der Herde auch nicht. Drei Schafe wurden offenbar in der Eile eines Aufbruchs vergessen. Zurückgeblieben ist ebenfalls der Hund, der sich nun verantwortlich fühlt. Wie erleben die Schafe Weihnachten? Dass sie viel von der frohen Kunde begreifen, wird man nicht erwarten dürfen; schließlich sind es nur "dumme Schafe".

Ulli Haussmann kennt sich gut in biblischen Geschichten aus. Denn nicht nur das zweite Kapitel bei Lukas wird herangezogen, auch Psalm 23, der vom Hirten spricht. Viele weitere Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament klingen an. Die Fragen, die Schafe, Hund oder Wolf beschäftigen, sind unter Umständen die Zweifel der Menschen heute.

Zu Beginn leuchtet hinter der hügeligen Bühnenlandschaft von Magnus Pelkowski der volle Sternenhimmel. In einer Mulde liegen, eng aneinander gekuschelt, ein braunes, ein schwarzes, ein weißes Schaf. Wenn das Stück beginnt, werden sie lebendig, unterschiedlich wie zuvor die Farben ihrer Felle.

Deshalb wundert man sich nicht, wenn sich plötzlich Schaf Franz als Philosoph erweist, zum glühenden Prediger wird, der selbst Wölfe überzeugt. Und dann taucht zur Freude der Schafe und des Publikum ein veritabler Engel auf, mit Botschaft und Verständnis für menschliche Schwächen.

Regisseur Christian Glockzin inszeniert das als äußerst lebendigen, geistreichen Spaß, mit viel Tempo, aber auch mit besinnlichen Pausen. Natürlich wird die christliche Botschaft gelegentlich angekratzt. Aber der Imageschaden, den offizielle Vertreter der Kurie anrichten, ist weitaus schlimmer. Jeder und jedem im Publikum bleibt schließlich frei, zu entscheiden, wie weit sie oder er sich von der Botschaft berühren lässt.

Sehr gut werden die Charakterunterschiede der Schafe herausgearbeitet. Da ist das liebenswerte und liebeshungrige Schäfchen Christine von Andrea Gerhard, fast zu gut für diese Welt. Rouven Kriete nimmt man den philosophierenden und predigenden Franz glatt ab. Alexandra Neelmeyer darf ein besonders kluges Schaf spielen, mit Sprachkenntnissen aus der Schweiz. Sie wird zur Furie im Fellgewand des Königs Herodes (Kostüme Katia Diegmann).

Ulli Haussmann ist souverän als verantwortungsbewusster Hirtenhund, der bereit ist, hinzuzulernen. Tobias Schaller macht als Wolf die größte Verwandlung durch, wird vom bösen fast zum guten Wolf. Mehrere Szenen sind von passender Musik begleitet, von Händel bis Jacques Offenbach oder Lenny Bernstein.

Das Premierenpublikum spendete begeisterten Beifall. Die weiteren Termine sind im Internet zu finden. Auch heute (Sonnabend) wird gespielt. Etliche Vorstellungen sind bereits ausverkauft.

Die Herde: Alexandra Neelmeyer, Andrea Gerhard, Ulli Haussmann, Rouven Kriete und Tobias Schaller. Foto: Theater Combinale

Die Herde: Alexandra Neelmeyer, Andrea Gerhard, Ulli Haussmann, Rouven Kriete und Tobias Schaller. Foto: Theater Combinale

Autor: TD

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