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Lübeck:

Sonntag: Gedenken an Dr. Julius Leber

In diesem Jahr jährt sich die Ermordung Julius Lebers zum 75. Mal. Der Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und die SPD Lübeck laden am Sonntag, 5. Januar, zu einer Gedenkveranstaltung ins Lübecker Rathaus ein.

"Julius Leber war der unbestrittene Chef der Lübecker Sozialdemokratie in der Endphase der Weimarer Republik. Vor allem aber war er eine Ehrenrettung für das Lübecker Bürgertum während des Dritten Reiches", erklärt Jan Schenkenberger, stellvertretender Landesvorsitzender (Hamburg) des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Bis heute ist Leber – neben Georg Elser – einer der bekanntesten Köpfe des zivilen Widerstands gegen Hitler. Er war aber nicht der einzige, und auch Frauen – nicht zuletzt seine Lübecker Frau Annedore – haben dem Widerstand im Dritten Reich ein Gesicht gegeben. Diese Erinnerung in die Gegenwart zu tragen ist immer ein zentrales Anliegen des Reichsbanners gewesen.

"Dennoch muß man heute, nach 75 Jahren, fragen: warum sollen wir uns noch mit dieser fernen Vergangenheit beschäftigen? Wie wollen wir an sie erinnern? Und an was genau?", so Jan Schenkenberer weiter. Doch so fern sei die Vergangenheit gar nicht. Thomas Rother, Vorsitzender der Lübecker SPD, weist darauf hin, dass rechtsextreme Parteien bis heute existieren, auch der staatliche Umgang mit Netzwerken wie dem NSU werfe viele Fragen auf: "Umfragen deuten darauf hin, dass fast 15 Prozent der Bevölkerung ein rechtsextremes Weltbild haben – und rechtsextremer Terror hat in den letzten Jahren viele Opfer gefordert! Heute werden Menschen wieder beleidigt, diffamiert und bedroht, weil sie nicht in ein rechtes Weltbild passen!", so Rother weiter. "Am Ende des 3. Reiches und am Beginn der Bundesrepublik steht das Versprechen des ‚Nie wieder!‘", ergänzt Jan Schenkenberger: "Erinnerung bedeutet für uns deshalb, am Aufbau einer offenen, demokratischen Gesellschaft aktiv mitzuwirken – wie es auch Annedore Leber nach der Ermordung ihres Mannes schon vor Gründung der Bundesrepublik ab 1947 bis zu ihrem Tod 1968 getan hat."

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold lädt gemeinsam mit der Lübecker SPD am 5. Januar 2020 um 14 Uhr zu einer Festrede des ehemaligen Hamburger Polizeipräsidenten Wolfgang Kopitzsch in den Audienzsaal des Lübecker Rathauses ein. Im Anschluss daran wird sich der Lübecker Bürgermeister Jan Lindenau gemeinsam mit Wolfgang Kopitzsch und Prof. Jörg Wollenberg (Gedenkstätte Ahrensbök) der Frage widmen, was zu Erinnerungsarbeit motivieren kann und welche Aufgaben sie heute erfüllen kann.

Julius Leber

Julius Leber wurde am 16. November 1891 in Briesheim im Elsass geboren. Nach der mittleren Reife und einer kaufmännischen Lehre holte er in Freiburg im Breisgau das Abitur nach, wurde dort 1920 zum Doktor rer. pol. promoviert. In Straßburg studierte er Geschichte und Nationalökonomie. 1912 trat er der SPD bei. 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger, wurde mehrere Male verwundet. Er gehörte zu den Gründern der Lübecker Abteilung des Reichsbanners.

Ab 1921 lebte Leber in Lübeck, wohin er als Redakteur des sozialdemokratischen Lübecker Volksboten berufen worden war. Im gleichen Jahr wurde er in die Bürgerschaft gewählt, 1924 auch für Lübeck in den Reichstag. Unermüdlich trat er für die Politik der Sozialdemokraten ein. 1933 endete seine politische Laufbahn abrupt.

Obwohl er als Reichstagsabgeordneter eigentlich Immunität genoss, wurde er im März 1933 vor dem Reichstag verhaftet und zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, anschließend bis 1937 im KZ Sachsenhausen festgehalten.

Leber betätigte sich nach seiner Freilassung in Berlin als Kohlenhändler, hielt Kontakt zu Widerstandskreisen. Noch vor dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Leber verhaftet, bereits am 5. Juli. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn zum Tode. Das Todesurteil wurde am 5. Januar 1945 im KZ Berlin-Plötzensee vollstreckt.

In Lübeck wurde die frühere Johannisstraße nahm ihm umbenannt. Es ist die einzige Straße in der Altstadt, die nach dem Krieg einen anderen Namen bekam.

Ein Gedenkstein auf dem Ehrenfriedhof erinnert an Julius Leber. Foto: JW/Archiv

Ein Gedenkstein auf dem Ehrenfriedhof erinnert an Julius Leber. Foto: JW/Archiv

Autor: Veranstalter/TD

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