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Lübeck:

Wie geht nachhaltiger Tourismus?

Der Ortsrat Travemünde hat diese Woche eine Anregung der Bürgerinitiative für Nachhaltigkeit Travemünde und Priwall (BIN) aufgegriffen, sich mit dem Thema des nachhaltigen Tourismus im Seebad zu befassen. Unterschiedliche Positionen wurden ausgetauscht. Und ein Beschluss gefasst: Das Grillen am Grünstrand soll wieder reduziert werden.



Im November 2019 wurde die nationale Tourismusstrategie im Bundestag auf den Weg gebracht. Der Ortsrat hat daher zu seiner ersten Sitzung dieses Jahres die Lübecker Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm (SPD) eingeladen. Hiller-Ohm ist tourismuspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Sie hielt zum Thema Nationale Tourismusstrategie - Nachhaltiger Tourismus das Grundsatzreferat. Als weitere Gäste und Gesprächspartner waren Christian Martin Lukas, Geschäftsführer der LTM (Lübeck Travemünde Marketing), begleitet von der Leiterin Stadtmarketing Karoline Lenz, sowie Uwe Kirchhoff, Leiter des Kurbetriebs Travemünde anwesend. Gäste waren auch Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) und CDU-Fraktionschef Oliver Prieur.



Hiller-Ohm schilderte den Tourismus aus der Sicht des Bundes und mahnte eine bessere Vernetzung in diesem Wirtschaftsbereich zwischen Bund, Ländern und Gemeinden an. Eine nationale Tourismusstrategie würde nun entwickelt. Der Tourismus müsse ein höheres Gewicht in der Politik des Bundes bekommen. Tourismus wäre stets mit Reisen verbunden. Hier sei Nachhaltigkeit besonders angesagt. So zum Beispiel bei den Kreuzfahrern mit umweltfreundlichen Antrieben. Auch diene unter anderem die Verbesserung der Attraktivität der Bahn mit der Senkung der Mehrwertsteuer den Zielen der Nachhaltigkeit in der Mobilität.

Kurdirektor Uwe Kirchhoff erläuterte den Beitrag seines Betriebes mit Maßnahmen in der Wirtschaftlichkeit, des Umweltschutzes zum Beispiel durch Umstellung von Fahrzeugen und Geräten auf elektrischen Antrieb sowie im sozialen Bereich für die Mitarbeiter. Der Ruf des Seebades und sein Status müssten erhalten bleiben. Wesentlich sei der Abbau der Emissionen bei den Schiffen, wie durch Landstromanschlüsse, und die Lösung des Problems der Munitionsreste in der Ostsee.

Tourismuschef Christian-Martin Lukas sah ein Ende der Wachstumsstrategie im Tourismus der Hansestadt. Schwerpunkt des Wachstums liege künftig in der Qualität. So müsse sich zum Beispiel im Veranstaltungsbereich Einiges ändern. Die Stadt arbeite an Konzepten und Strategien. Dabei müssten Mensch und Natur mehr im Mittelpunkt stehen. Karoline Lenz sieht in der Nachhaltigkeit mehr als nur das Ziel einer Strategie, sondern eine menschliche Haltung.

In der anschließenden Diskussions- und Fragerunde nahmen Beiträge von Bürgern und Bürgerinnen sowie den Mitgliedern der BIN zur Entwicklung der Bautätigkeiten und deren Folgen für Travemünde durch eine massive Erhöhung der Bettenzahlen besonders auf dem Priwall einen breiten Raum ein. Hier sei kein nachhaltiges Entwicklungskonzept zu erkennen. Der Priwall wäre in seiner Ursprünglichkeit zerstört und ganz Travemünde Teil einer Tourismusindustrie. Der Ort sei in seiner Infrastruktur und dessen, was man der Bevölkerung zumuten könne, überfordert.

Soziale Strukturen würden zerstört, weil immer mehr Wohnhäuser aufgekauft und zu Ferienwohnungen umgebaut würden. Hohe Mieten und Verdrängung der Bevölkerung in die Randbereiche sei die Folge. Bereits jetzt müsse man Folgen der Fehlentwicklungen reparieren und durch eine wirksamere Bürgerbeteiligung die nachhaltige Fortentwicklung des Ortes einfordern. So durch neue Konzepte wie die Bürgerräte Demokratie.

Es gab langen Beifall zu den Beiträgen der einzelnen Mitglieder der Bürgerinitiative, was die breite Zustimmung vieler anwesender Bürger zur Kritik an der bisherigen Entwicklung in Travemünde signalisiert. Wie alle war auch die BIN an die 2-Minutengrenze der Sprechzeit gebunden. Doch als in einem Fall auf Beendigung eines Beitrages gedrängt wurde, kam Unmut auf. "Lasst sie doch reden", forderte vehement ein Zwischenrufer.

Deutlich wurde gegen Ende der Diskussion, dass sich unübersehbare Interessenkonflikte entwickelten und die anwesenden Bürger und Bürgerinnen eine Korrektur der künftigen Entwicklung fordern. Tourismuschef Lukas bot Vertretern der BIN ein Gespräch zum Kennenlernen beim Thema Nachhaltigkeit und Tourismus an.

Als weitere gute Nachricht bleibt zu berichten, dass der Ortsrat zu Beginn der Sitzung mit einem Antrag selbst einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten will: die Grillplätze auf dem Grünstrand sind zurückzubauen. Bis auf die ursprünglichen zwei Grillplätze solle das Grillen komplett verboten werden. Die massiven Beschwerden über die bisherige Praxis, die unzumutbare Belastung der Anwohner und das Verkehrschaos am Grünstrand waren vermehrt im Ortsrat auf der Tagesordnung.

Das Interesse an dem Thema war groß. Fotos: Karl Erhard Vögele

Das Interesse an dem Thema war groß. Fotos: Karl Erhard Vögele

Autor: KEV

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