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Günter Grass - Fussballfan

Archiv-Text vom 12.03.2020: Er war nicht nur eine Lichtgestalt der Literatur, sondern nebenbei auch noch ein ganz normaler Sterblicher. Und als solcher liebte Günter Grass den Fußball, wie wir alle. Wer samstags im Hause Grass zu Besuch war erlebte, dass auch bei noch so wichtigen und weltbewegenden Themen am späten Nachmittag die Sportschau eingeschaltet wurde.


Beckenbauer und Netzer als Video-Konsole. Die Bildschirme sind wegen Corona noch unterwegs.

Günter Grass liebte es auch ins Stadion zu gehen und die von ihm favorisierten Clubs zu unterstützen. Das waren vor allem die Clubs aus Hamburg St. Pauli und vor allem der Freiburger FC. Der nicht minder bedeutende Walter Jens hat es einmal bei einem Lübeck Besuch am Rande erwähnt. "Wir beide mögen Volker Finke", sagte er. Gemeint war der damalige langjährige Trainer des Freiburger FC. Philipp Bürger, Kurator der aktuellen Ausstellung im Lübecker Grass-Haus und Hausherr Jörg-Philipp Thomsa ergänzten: Grass mochte immer den Underdog, den David, der auch Fußball-Goliaths bezwang. "Der hat sich sogar gefreut als Deutschland 1974 in der Quali gegen die DDR verlor", verrieten sie.



Ansonsten ist die Literatur natürlich die Leitlinie bei der Fußball-Ausstellung im Lübecker Günter Grass Haus. Die Eintragungen aus dem Grass-Werk "Mein Jahrhundert" boten sich an, als Leitlinie durch die Deutsche Fußballgeschichte. Dazu viele seltene und auch bedeutende Ausstellungsstücke, die Malte von Pidoll, vom Deutschen Fußballmuseum in Dortmund beisteuerte. So wird der Original Ball, den Helmut Rahn in der 84. Minute im Wankendorf Stadion im Kasten der Ungarn versenkte zu sehen sein. "Er ist es ganz bestimmt", versicherte von Pidoll, ein anderer ist auch nie aufgetaucht. Auch die Verbindung von Fußball und Zeitgeschichte wird hergestellt, betont Kurator Philipp Bürger, und selbst die Poesie kommt nicht zu kurz. Der Fußball hat etwas poetisches, das reizt auch den Dichter, hieß es dazu.



Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von Grass-Haus-Lübeck und dem Deutschen Fußballmuseum, was im Moment in der Glockengießerstraße zu besichtigen ist. Im Herbst dieses Jahres wird diese Schnittstelle zwischen Literatur und Fußball dann auch im Deutschen Fußballmuseum zu sehen sein. Die haben im Moment nur noch ein logistisches Problem. Das Brasilianische Tor, in dem bei der WM 2014 im Halbfinale 5 Dinger gegen die Brasilianer versenkt wurden, muss noch einen Platz in Dortmund finden. Im Garten des Grass-Hauses geht man hindurch. Dort sieht es so aus, als ob die Hand des Torwarts gerade einen Ball unter der Latte wegfischt. Es ist aber der Butt, der da immer steht. Stifter Frank Thomas Gaulin und Frau Erika, ebenfalls Fußballfans, wird es freuen.

Hier hören Sie ein Interview mit Jörg Philipp Thomsa, Leiter des Günter Grass-Hauses:

Hier hören Sie ein Interview mit Malte von Pidoll vom Deutschen Fußballmuseum:

Hier hören Sie ein Interview mit Prof. Hans Wißkirchen, Leiter der Lübecker Museen:

Hier hören Sie ein Interview mit Kurator Philipp Bürger:

Sonderausstellung
„Günter Grass: Mein Fußballjahrhundert“
Montag, 16. März, bis Sonntag, 30. August 2020
Günter Grass-Haus, Lübeck

Kurator Philipp Bürger vor einem Ehrentrikot des Freiburger FC für Edelfan Günter Grass. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann

Kurator Philipp Bürger vor einem Ehrentrikot des Freiburger FC für Edelfan Günter Grass. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann

Hier hören Sie den Originalton:

Veröffentlicht: 12.03.2020, 17.10 Uhr, Autor: Harald Denckmann

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