HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck



Lübeck:

Tipps für die Ersthelfer in Pandemie-Zeiten

Archiv-Text vom 29.04.2020: Wer einen Herzkreislaufstillstand erleidet, ist auf rasche Maßnahmen zur Wiederbelebung angewiesen. Doch wie können sich Ersthelferinnen und Ersthelfer in dieser Notsituation vor einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus schützen? Auf eine Beatmung fremder Personen sollten Ersthelfer verzichten, rät ein Ärzteteam des UKSH.

Ein Ärzteteam um Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Dr. Stephan Seewald und Dr. Jan Wnent, Institut für Rettungs- und Notfallmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), hat nun das von internationalen Fachgesellschaften empfohlene Vorgehen für Laien und medizinisches Personal in der Fachzeitschrift „Anästhesiologie und Intensivmedizin“ zusammengefasst.

Für Laienhelfer gilt weiterhin die Regel: prüfen – rufen – drücken. So soll also zunächst überprüft werden, ob der Patient atmet, dann der Rettungsdienst unter 112 gerufen und - falls keine oder keine normale Atemtätigkeit vorhanden ist - mit der Herzdruckmassage begonnen werden. „Da nicht auszuschließen ist, dass der Patient mit dem Coronavirus infiziert sein könnte, soll das Atmen aber nicht, wie vormals empfohlen, durch Hören und Fühlen überprüft werden, sondern nur durch das Beobachten des Brustkorbes“, sagt Prof. Gräsner. Bei der Herzdruckmassage sollten dann Mund und Nase des Patienten abgedeckt werden, zum Beispiel mit Kleidungsstücken. Außerdem sollte ein Verdacht auf Covid-19 beim Notruf mit angegeben werden. Studien haben gezeigt, dass Patientinnen und Patienten nach einem Herzkreislaufstillstand mit höherer Wahrscheinlichkeit überleben, wenn Ersthelfer eine Herzdruckmassage im Wechsel mit einer Beatmung durchführen. Deshalb wird auch weiterhin eine Beatmung empfohlen, wenn Patient und Ersthelfer schon vor dem Notfall in engem Kontakt standen und in einem Haushalt wohnen. Bei Menschen, mit denen man nicht zusammenlebt, sollte man es derzeit jedoch bei Notruf und Herzdruckmassage belassen, um sich selbst vor einer möglichen Ansteckung zu schützen, so die Autoren des Beitrages.

Auch für den Rettungs- und Notarztdienst gelten neue Vorgaben, die die Gesundheit der Helferinnen und Helfer schützen soll. Sie werden zum Beispiel dazu angehalten, vor dem Beginn der Wiederbelebung spezielle Schutzkleidung anzulegen.

In Deutschland erleiden jedes Jahr über 50.000 Menschen einen Herzkreislaufstillstand. Der Erfolg der Behandlung hängt vom Funktionieren der gesamten Rettungskette ab. Eine besonders wichtige Rolle spielen die Menschen, die Zeuge eines Herzkreislaufstillstandes werden, der mit Bewusstlosigkeit und Atemstillstand einhergeht. Eine sofortige Herzdruckmassage, die jeder leisten kann, verdoppelt bis verdreifacht die Überlebenschancen der Betroffenen.

Ein Ärzteteam um Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner hat Hinweise für die Erste Hilfe in Zeiten der Pandemie veröffentlicht. Foto: UKSH

Ein Ärzteteam um Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner hat Hinweise für die Erste Hilfe in Zeiten der Pandemie veröffentlicht. Foto: UKSH

Veröffentlicht: 29.04.2020, 12.49 Uhr, Autor: UKSH

Text teilen: auf facebook +++ über WhatsApp +++ per eMail +++




<< Zur Übersichtsseite.
Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.