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Lübeck - St. Jürgen:

HL historisch: Vor 130 Jahren erster Spatenstich zum Stadtpark

Archiv-Text vom 24.05.2020: Vor 130 Jahren, anno 1890, begannen die Arbeiten, die aus den sauren Galgenbrookswiesen den Lübecker Stadtpark entstehen ließen. Die Bürgerschaft hatte sich bereits fünf Jahre zuvor mit der Idee eines Naherholungsgebietes im Stadtteil St. Gertrud beschäftigt und ihren Stadtgärtner Metaphius Theodor August Langenbuch mit der Planung beauftragt.



Zwar kann sich der Lübecker Stadtpark nicht mit dem Hamburger Volkspark oder dem Bremer Bürgerpark messen. Seine Fläche ist eher bescheiden. Hinzu kommt, dass der Planer erleben musste, dass das zur Verfügung stehende Gelände immer mehr beschnitten wurde. Dem Stadtgärtner blieben schließlich nur zwölf Hektar Fläche. Aber diese zwölf Hektar wurden sinnvoll bepflanzt und in der Folgezeit immer wieder gut ergänzt, so dass jeder, der den Park für sich entdeckt hat, gern wiederkommt.

Wer heute dort spazieren geht, ahnt nicht, dass er auf früherem Sumpfland wandert. Das Gelände war eine Ausbuchtung der Wakenitz. Als der Damm für die Roeckstraße aufgeschüttet wurde, geriet die Wakenitzbucht ins Abseits. Das flache Wasser verlandete schnell. In dem Sumpf siedelten sich Torfpflanzen, saure Sumpfgräser und Reeth an. In alten Berichten ist von „stinkenden Wiesen“ die Rede.

In kalten Wintern pfiffen die Stürme über das kahle Gelände und trafen die Häuser an der Israelsdorfer Allee, der heutigen Travemünder Allee, mit voller Wucht. Wahrscheinlich war das der Anlass, das Thema in der Bürgerschaft zu behandeln und den Vorschlag einzubringen, die Fläche mit Büschen und Bäumen zum Schutz der Anwohner zu bepflanzen.

Stadtgärtner Langenbuch, der so ziemlich alle Lübecker Grünanlagen entworfen hat – vor dem Burgtor ebenso wie am Mühlendamm und vor dem Bahnhof – reichte Pläne ein. Nach seinen ersten Ideen sollte das Gebiet einen Volksparkcharakter erhalten, mit Restaurant, Café, Konzertpavillon und einem See zur Kinderbelustigung. Langenbuchs Ideen wurden verworfen. Die Anlage sollte bescheidener ausfallen.

Trotzdem wurden 52.320 Kubikmeter Erdreich bewegt. Teiche wurden angelegt, Büsche und Gehölze gepflanzt, Rasen gesät. Zu den Nadelbäumen gesellten sich Eichen, die das strenge Immergrün im Herbst durch die Laubfärbung auflockerten. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde der Stadtpark am 21. September 1902 eingeweiht. 50 Jahre später hieß es bei einer Feierstunde, der Park sei eine „Perle im Diadem der Hansestadt“.

Nach Langenbuchs Vorschlag sollte die Anlage Geibelpark heißen, mit dem Denkmal des Dichters. Daraus wurde nichts. M. T. A. Langenbuch ist Holsteiner, wurde 1842 in Eutin geboren. Sein Handwerk erlernte er an der Königlich-Preußischen Gärtnerlehranstalt in Potsdam. Erfahrungen mit Parks erhielt er zum Beispiel in den großen Anlagen des Fürsten Pückler zu Muskau. 1879 wurde er zum Stadtgärtner von Lübeck berufen. Dieses Amt bekleidete er bis zu seinem Tod am 2. Mai 1907. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Burgtorfriedhof.

Vor 130 Jahren begann der Bau des Lübecker Stadtparks. Fotos: Archiv

Vor 130 Jahren begann der Bau des Lübecker Stadtparks. Fotos: Archiv

Veröffentlicht: 24.05.2020, 10.31 Uhr, Autor: TD

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