Lübeck Erleben

Die Fastenzeit und der Mythos vom Entschlacken

Text vom 13.02.2018: Zum Beginn der Fastenzeit geht wieder der Mythos vom Entschlacken und Entgiften um. Dr. Beate Fischer, Ernährungsmedizinerin und Diabetologin an den Sana Kliniken Lübeck, rät von einmaligen Entschlackungskuren ab und erklärt, wie eine langfristige Ernährungsumstellung gelingen kann.

Viele nutzen die folgenden Wochen bis zum Osterfest für eine radikale Entgiftungskur. Doch die Idee, den Körper durch Fasten und massenhafte Flüssigkeitszufuhr entschlacken zu müssen, ist ein Märchen. Wissenschaftliche Belege für die Existenz von Schlacken im Körper gibt es nicht. "Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind Giftstoffe und sonstige schädliche Ablagerungen, die sich im Körper ansammeln und die mit entgiftenden Stoffen ausgeschwemmt werden müssen, ein Mythos", erläutert Dr. Fischer. "Der Körper erledigt diese Art Entgiftung selbstständig, indem er die Stoffwechselprodukte vor allem über den Darm und die Niere ausscheidet." Der Darm ist kein Ofenrohr, an dessen Wänden die Essenreste festkleben, die regelmäßig gekehrt werden müssen, so wie es etwa der Schornsteinfeger macht. Vielmehr ist der Darm immer aktiv und in Bewegung, selbst wenn wir schlafen.

"Schlacken oder andere vermeintliche Gifte müssen wir nicht per Fastenkur loswerden", so die Ernährungsmedizinerin. "Sogenannte Detox-Anwendungen, wie spezielle Getränke, Pulver oder gar Entgiftungspflaster sind teuer und nützen nur dem Verkäufer."

Für unseren Stoffwechsel belastend sind vor allem Fastfood, Fertigprodukte und Essen aus der Konserve. Sie enthalten oft zu viel Zucker, Fette sowie Zusatzstoffe und kaum Ballaststoffe. "Das führt nicht nur zu Übergewicht, sondern belastet unseren Körper wie eine bakterielle Infektion, wie neueste Studien zeigen", so Dr. Fischer. Menschen, die langfristig abnehmen wollen, kommen mit einer Radikalkur zur Fastenzeit kaum ans Ziel. Ganz im Gegenteil: Nach starkem Fasten setzt oft der Jo-Jo-Effekt ein. Denn beim Fasten schaltet der Körper auf ein Notprogramm und vermindert seinen Grundumsatz. Nach dem Fasten will der Körper den Speicher dann wieder auffüllen. Das führt oft zum Jo-Jo-Effekt.

Wer abspecken will, muss seine Ernährung dauerhaft umstellen und vor allem möglichst wenig industriell hergestellte Lebensmittel auf dem Speiseplan haben. Denn hier finden sich oftmals versteckte Fette oder Zucker – auch in Produkten, in denen man es nicht unbedingt vermutet. "Nutzen Sie die Fastenzeit als Startpunkt, sich bewusster mit Ihrer Gesundheit und vor allem Ihrer Ernährungsweise auseinanderzusetzen", rät die Medizinerin. Entscheidend ist es, dabei vor allem ehrlich zu sich selbst zu sein und sich kleine Ziele zu setzen, die sich in den Alltag integrieren lassen und zum eigenen Leben passen. Sonst siegt schnell wieder der "innere Schweinehund".

"Lassen Sie sich nicht von scheinbaren Erfolgen durch extreme Fastenkuren, Superdiäten mit tollen Namen, Abnehmpillen aus dem Internet oder viel beworbene Detox-Mittel blenden. Stellen Sie Ihre Ernährung langfristig auf leichte, ausgewogene Kost mit unverarbeiteten Lebensmitteln um. Bewegen Sie sich so viel wie möglich an der frischen Luft und meiden Sie übermäßigen Alkohol- und Zigarettenkonsum", fasst Dr. Fischer zusammen und gibt einen abschließenden Rat: "Versuchen Sie, immer eher das Positive, anstatt das Negative zu sehen und genießen Sie Ihre Zeit mit der Familie und Freunden. Auf diese Weise steigern Sie Ihre Lebensqualität deutlich und tun Ihrem Körper etwas richtig Gutes."

Dr. med. Beate Fischer ist Ernährungsmedizinerin und Diabetologin an den Sana Kliniken Lübeck. Foto: Sana

Dr. med. Beate Fischer ist Ernährungsmedizinerin und Diabetologin an den Sana Kliniken Lübeck. Foto: Sana

Autor: Sana

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